Rezension von »Ich, Mengsk«

Ich, Mengsk

Vorwort

»Ich, Mengsk« ist im Kielwasser der bevorstehenden StarCraft II Trilogie eines der jüngeren StarCraft-Bücher unserer Zeit und umreißt detailliert die Vorgeschichte der gesamten bekannten Mengsk-Dynastie: Von der brodelnden Rebellion auf Korhal unter Angus Mengsk, über die facettenreiche Laufbahn des eigensinnigen Arcturus Mengsk, bis hin zum Hoffnungsträger für die gesamte Zukunft des Koprulu-Sektors, Valerian Mengsk.

Das Buch ist in die drei individuellen Hauptkapitel ANGUS, ARCTURUS & VALERIAN gegliedert. Das umfangreichste Kapitel ist dabei der Mittelteil, der sich mit Arcturus Mengsk befasst. Der Autor des Buches Graham McNeill ist ein alter Hase im Geschäft, hat er doch zahlreiche Bücher im Warhammer 40.000 Universum geschrieben, aus dem StarCraft im Entwicklungsprozess bekanntermaßen zahlreiche Anleihen erhalten hat. Mit über 440 Seiten ist »Ich, Mengsk« im Vergleich zu anderen StarCraft-Büchern eines der dickeren Exemplare.

Inhalt

Kurz vor der Beerdigung und der Trauerfeier von Juliana Pasteur besprechen ihr Sohn Valerian Mengsk und dessen Vater Arcturus Mengsk die Vergangenheit der gesamten Mengsk-Dynastie.

Angus

Beginnend mit Angus Mengsk, dem Vater von Arcturus Mengsk, wird die gewaltsame und brodelnde Epoche der ersten und sich langsam zuspitzenden Rebellion auf Korhal IV gegen das korrupte Machtregime der Konföderation aufgezeigt. In der Öffentlichkeit werden die Reden von Senator Mengsk im Palatine-Forum von der korhalischen Bevölkerung stets frenetisch gefeiert, in Wahrheit aber ist Angus Mengsk eine der treibenden Kräfte hinter dem Aufstand, weswegen er und seine gesamte Familie einem ernsthaften Attentatsversuch nur knapp überleben.

Während Angus Mengsk seinen Freiheitskampf gegen die konföderierten Unterdrücker auf politischer Ebene weiterhin vorantreibt und sich immer mehr zu einem eiternden Stachel im Fleisch der Konföderation entwickelt, kühlt sich indessen das Verhältnis zu seinem 17-jährigen Sohn Arcturus stetig ab. Der eigenwillige Arcturus, dem die politischen Ambitionen seines Vaters peinlich sind, fühlt sich darüber hinaus von ihm auch stark bevormundet, obwohl dieser wie jeder liebende Vater nur das Beste für seinen Sohn will. Arcturus allerdings schmiedet seine eigenen Pläne und verlässt seine Familie genau an dem Tag, als sein Vater Angus vor dem Palatine-Forum eine der wichtigsten Auftritte im Schachspiel gegen die verhasste Konföderation hat.

Arcturus hat ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mutter Katherine Mengsk und seiner jüngeren Schwester Dorothy. Um seinen Vater allerdings auch eins mit auszuwischen, beginnt er ausgerechnet eine Karriere im konföderierten Marine-Corps.

Arcturus

Rund zwei Jahre später ist aus Arcturus ein konföderierter Offizier geworden, der auf den Schlachtfeldern der Konföderation und sogar in den berüchtigten Gildenkriegen mit dem Kel-Moria-Kombinat kämpft. Innerhalb dieser Zeit trifft er auch das erste Mal auf Edmund Duke, der genau wie Arcturus inzwischen selbst Captain ist. Zu seiner Familie hat Arcturus zu diesem Zeitpunkt nur sporadisch Kontakt, und sie seither auch nicht mehr wiedergesehen. Nach einiger Zeit jedoch plant er seine Familie zu besuchen, und trifft sich dabei auch mit Juliana Pasteur, der Tochter des Botschafters von Umoja, Ailin Pasteur. Dieser hilft Arcturus Vater Angus inoffiziell bei dessen Kreuzzug gegen das konföderierte Regime.

Obwohl Juliana Pasteur große Zuwendung für Arcturus zeigt, ist dieser nur darauf aus sie ins Bett zu kriegen, was ihm schließlich auch auf Tyrador IX gelingt. Die Folgen dessen sind eine Schwangerschaft von Juliana, die sie allerdings vor Arcturus geheimhält, um seinen Zukunftsplänen nicht im Weg zu stehen. Arcturus ursprüngliches Ziel ist es nämlich, ein erfolgreicher Prospektor zu werden, der Militärdienst sollte ihm dabei lediglich als Sprungbrett dienen. Tatsächlich gelingt es ihm etliche Jahre später auch dieses Ziel zu erreichen und nach seinem Austritt aus der Armee ein großes Mineralien-Vorkommen auf einem Randplanet zu entdecken. Unmittelbar nach diesem Fund, meldet sich allerdings Ailin Pasteur und lädt Arcturus ein unverzüglich nach Umoja zu kommen

Ailin Pasteur nimmt die Art und Weise, wie der junge Arcturus seine Tochter behandelt sehr übel, hat allerdings auf ihren Wunsch hin über die Jahre hinweg geschwiegen. Diesmal jedoch weihen die Pasteurs Arcturus Mengsk über seine Vaterschaft ein, sein Nachwuchs ist inzwischen sieben Jahre alt und heißt Valerian Mengsk.

Valerian

Anfangs reagiert Arcturus Mengsk mit Bestürzung über diese neuen Umstände, er macht vor allem Juliana Pasteur schwere Vorwürfe, dass sie ihm all die Jahre über nichts über seinen Sohn Valerian erzählt hat. Da Juliana Valerian seinen Vater stets als großartigen und heldenhaften Menschen geschildert hatte, ist der Junge verständlicherweise Feuer und Flamme seinen Dad endlich kennenzulernen. Jedoch zeigt sich, dass Arcturus Mengsk ziemlich eigene Vorstellungen davon hat, wie sich Valerian zu entwickeln habe, sehr zum Missfallen seiner Mutter Juliana und seines Großvaters Ailin. Als plötzlich die Nachricht von Korhal eintrifft, dass die gesamte Familie von Arcturus Mengsk ermordet worden ist, überschlagen sich die Ereignisse. Arcturus Mengsk schwört an der Konföderation für dieses grausame Verbrechen blutige Rache zu nehmen. Weil er befürchtet, dass nun als Nächstes auch sein Sohn in Gefahr sein könnte, weist er Juliana Pasteur an sich mit Valerian im umojanischen Hoheitsgebiet zu verstecken.

In den darauffolgenden Jahren sind Valerian und seine an einem unheilbaren Krebs erkrankte Mutter ständig auf der Flucht, während Valerian eisern damit beginnt, die Fähigkeiten, die sein Vater an ihm sehen will, zu trainieren. Unterstützung erhält er von zwei Männern, die sein Vater ihm geschickt hatte, Meister Miyamoto für den bewaffneten Zweikampf und Charles Wittier als eine Art persönlicher Assistent/Diener.

Einige Jahre später erleben Valerian Mengsk, der durch die Medien die Vergeltungsaktionen seines Vaters und dessen Truppen genau verfolgt, die atomare Verbrennung der Oberfläche von Korhal durch die Konföderation. Als sich die beiden auf Van Osten’s Moon erneut wiedertreffen, hat Arcturus Mengsk diesmal sehr viel mehr Achtung vor den erworbenen Fähigkeiten seines Sohnes und ist davon überzeugt, dass er eines Tages großen Nutzen davon ziehen würde. Trotzdem warnt Valerians Mutter Juliana ihren Sohn eindringlich und mehrmals davor, sich nicht von seinem Vater manipulieren zu lassen.

Weitere drei Jahre später ist Arcturus Mengsk inzwischen zum Imperator der neu geschaffenen Terranischen Liga aufgestiegen, und wehrt zusammen mit Valerian Mengsk auf Umoja einen Angriff des konföderierten Widerstands ab, die versuchen Imperator Mengsk umzubringen.

18 Monate nach diesem Angriff auf Umoja war Juliana Pasteur schließlich gestorben. Valerian Mengsk musste seiner Mutter noch wenige Tage vor ihrem Tod schwören, sich niemals von seinen Vater beeinflussen zu lassen. Mit den Worten gegenüber seinem Vater, dass Valerian seinen eigenen Mann stehen und nicht die Fehler seines Vaters begehen wird, entgegnet dieser, dass Valerian stattdessen seine eigenen Fehler machen wird. Mit der Aufforderung von Arcturus an Valerian, dass sie nun gemeinsam ein Imperium zu regieren haben, endet das Buch schließlich.

Rezension

Schon auf dem Lore Panel der BlizzCon 2008 wurde angekündigt, dass speziell die Buch-Trilogie »Dunkle Templer« von Christie Golden sowie »Ich, Mengsk« von Graham McNeill für die StarCraft II Trilogie eine besonders weit reichende Bedeutung haben werden. Letzteres liefert nun eine Fülle an Background-Infos für einen der größten Charaktere im StarCraft-Universum, Arcturus Mengsk. Die Reflektion der gesamten Mengsk-Dynastie ist nun in der Tat ein sehr vertiefender Blick in die Geschichte dreier Mengsk-Generationen, die haargenau mit dem in den letzten 10 Jahren bekannten Kanon-Elementen übereinstimmen, bzw. ihn eindrucksvoll erweitern.

Dabei heben sich auch besonders die vielfältigen Nebencharakter und Handlungsorte vom typischen „künstlich den Plot strecken“-Schema ab, denn die jeweiligen Rollen und Bedeutungen sind vollends in das Gesamtgeschehen integriert, und nicht nur schmückendes Beiwerk. Besonders deutlich wird dies zum Beispiel an der umojanischen Familie Pasteur, die eine große Bedeutung für den gesamten Mengsk-Clan hat. Und an dem Planet „Van Osten’s Moon“, auf welchen Valerian Mengsk auf den Archäologen Jake Ramsey, dem zentralen Darsteller in der „Dunkle Templer”-Trilogie, aufmerksam wird. Das Buch berichtet auch davon, dass das Umoja-Protektorat gegründet worden ist, nachdem die Konföderation auf Korhal Senator Angus Mengsk, seine Frau und Tochter ermordet hatte. Solche Detailerörterungen tun dem Buch sehr gut, es beschert zahlreiche Aha-Effekte.

Sehr seltsam mutet die Gliederung der Handlungslinie innerhalb der drei Hauptkapitel des Buches an. Es gibt regelmäßig äußerst abrupt auftretende Zeitsprünge, die manchmal sogar für StarCraft-Kenner ziemlich verwirrend sind und Laien im StarCraft-Universum logischerweise erst recht konfus machen. Insgesamt betrachtet wirkt diese eigenwillige Strukturierung zum Teil sehr stockig, auch wenn es vielleicht aufgrund der einzelnen Abschnitte der Generationen eventuell notwendig gewesen war.

Das wirklich größte Ärgernis in diesem mittlerweile neunten StarCraft-Buch kommt allerdings nicht vom Autor selbst, sondern vom deutschen Übersetzer Timothy Stahl. Da besagter Übersetzer fast alle StarCraft-Bücher ins Deutsche übertragen hat, ist es einfach nur unverständlich, wie man nach so vielen Aufträgen noch immer so wenig Ahnung von der Materie haben kann. Lächerliche Wortmischungen wie Dropschiffe oder Vespene-Mine werden nur noch von Namensfehlern wie Kel-Morans und Übersetzungsfehlern wie Dominion oder UED übertroffen. Letzteren beiden mögen im Original so heißen, dennoch heißt das Dominion in der deutschen Version nun mal „Terranische Liga“ und das UED in der deutschen Version „Vereinigtes Erd-Direktorat“, kurz VED. Solche Dinge können heutzutage ohne weiteres gegoogelt werden, es ist schade, dass manchen Leuten ihre Arbeit im Grunde so herzlich egal ist.

Fazit

Waren die StarCraft-Bücher anno 2004 herum, im Detail »Libertys Kreuzzug«, »Schatten der Xel’Naga« und »Im Sog der Dunkelheit«, zum Teil Neuerzählungen und sekundäre Geschichten, deren Protagonisten bis auf einige bekannte kaum eine weitere Bedeutung für das StarCraft-Universum haben, handelt es sich bei den Büchern der neueren Generation wie die Dunkle Templer-Trilogie oder in diesem Fall »Ich, Mengsk« um detaillierte und bedeutungsreiche Storyline-Ergänzungen zu StarCraft II.

»Ich, Mengsk« bietet einen sehr genauen und hochinteressanten Einblick in die Generationsgeschichte von Arcturus Mengsk und seines gesamten Familienclans, die im Grunde durch und durch zu Regenten geboren sind, aber auch dekadent und von hochmütigem Geblüt sind. Das Buch ist besonders zu empfehlen, da es unmittelbar vor StarCraft II: Wings of Liberty spielt, und genau die Vergangenheit des Tyrannen aufschlüsselt, der als Imperator Mengsk I. an der Spitze der übermächtigen Terranischen Liga steht. Für StarCraft-Fans heißt es ganz klar: »Ich, Mengsk« hat das Prädikat sehr lesenswert.

Buch-Information

Titel:Ich, Mengsk
Autor:Graham McNeill
Übersetzer:Timothy Stahl
Umfang:443 Seiten
Erscheinungsdatum:Juni 2009
ISBN:9783833218712
Preis:12,00 €
Link: (Panini-Shop)Ich, Mengsk

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