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Freitag, der 09.02.2018

Puh! Geschafft! Das Ritual der zuweilen endlos scheinenden Beweihräucherung ist vorbei. Wieder einmal. Ein Tag später hat sich glücklicherweise größtenteils die Normalität wieder eingestellt. Die 38 wurde zudem vollkommen akzeptiert. Vereinzelt aufgetauchte graue Haare wurden erneut sorgfältig gezupft. Zeit sich endlich wieder den wirklich wichtigen Dingen zuzuwenden. STARCRAFT!!!

„Hehehe… Ich kann es spüren: ein Psi-Sturm zieht auf! Hm, ob sich Hohe Templer so fühlen, wenige Sekunden, bevor sie einen Psi-Sturm entfesseln?“

Die Erkenntnis, die Idee und das Vorhaben, welche gestern Nachmittag wie Vulkaneruptionen im Geiste explodiert sind, konnten sich innerhalb der letzten 24 Stunden etwas setzen und sortieren. Und am heutigen Freitag ist die Zeit reif für den Beginn der Reise zu den Sternen... Es gilt nur noch den Startpunkt zu finden!

Doch vor lauter Euphorie, die schon wieder überbordend Besitz zu ergreifen droht, scheint der Aufbruch in die falsche Richtung beinahe vorprogrammiert. Die normalerweise notwendigen Vorüberlegungen werden erneut mit einem voreiligen Start von StarEdit kaschiert. Statt vernünftig vorher zu skripten, muss erst einmal einäugig und mit morschen Holzbein improvisiert werden. Zu lange ist es her, zu viel Zeit ist vergangen, dass jenes kleine giftgrüne Quadrat (Pinsel-Cursor von StarEdit) über die Oberfläche des ausgewählten Grafiksatzes gestrichen ist und wie von Zauberhand die Terrain-Arten „Hoher Erdboden” oder auch „Hohes Gras” erschaffen hat.

„Hey! Das ist doch wie Fahrrad-fahren! Das verlernt man nicht. Alles vertraut! Alles bekannt. Yeeehaaaa!“

StarEdit sieht auf den ersten Blick wirklich simpel aus, kann aber auch sehr komplex werden. Trotz dieser Tatsache steht das erste Level schneller, als ich „Stim-Pack” sagen kann. Und das völlig ohne Konzept! Ohne eigentliche Richtung. Einfach nur drauflos gemappt und improvisiert.

„Awesome stuff! Ich höre ein Chanting: You still got it!“

Zugegeben, das Terrain sieht wirklich erstklassig aus, aber in diesen ersten groben Feldversuch fließen erstaunlich hanebüchene Ideen für das Gameplay ein. Es gilt mit einer Gruppe von Feuerfressern zu einem nahegelegenen Außenposten zu stiefeln und unterwegs die Schleusentüren (Doodad) schweißend zu verschließen.

„Moment mal! Können Feuerfresser so etwas überhaupt? Türen zuschweißen?! Haben die Fusions-Schneidbrenner bei sich?! Vielleicht von WBF’s ausgeliehen?! Was soll das *zuschweißen* denn eigentlich bringen? Passt das überhaupt ins Bild? Äh…. nee, nicht wirklich!“

Ich gestehe mir ein, dass ich über nichts davon wirklich nachgedacht habe. Aber noch finde ich diese Schnapsidee erträglich und mache mich daher daran, noch ein zweites sekundäres Ziel einzustreuen. Da gibt es doch diese Szene in Starship Troopers, in welcher die Redneck-Kompanie in dem verlassenen Außenposten den durchgedrehten General findet. Jener arme Schlucker, der den brutalen Angriff der Bugs knapp überlebt hat, aber dadurch vollkommen gaga geworden ist.

Dieses Szenario würde hier auch perfekt passen, also flugs einen Zivilisten ausgewählt und ihn abseits des Weges am Eingang einer unscheinbaren Installation platziert. Findet man ihn, gibt es ähnliche Dialoge wie bei Starship Troopers! Creation is fun! Fun is expandable!

Hoppla, sogar schon ZWEI optionale Ziele? Und das eigentliche Ziel der Map ist ja die verlassene Kolonie zu erreichen und... nun ja, auf die „Bugs” in StarCraft zu treffen. Also die Zerg! Spielerisch muss das daher herausfordernd gestaltet werden. Was ganz plötzlich weitere Themen aufwirft: Welche Einheiten machen hier den Unterschied? Welcher Techbaum wird hier eigentlich verwendet? In welchen Zeitraum befinden wir uns dadurch? Welche Fraktion tritt hier auf? Um was für ein Planet handelt es sich? Warum die Zerg und die Feuerfresser - PENG!

„Aarrgghh! Der laute Knall war die zerplatzte Seifenblase. Die mit soviel Sorgfalt erschaffene und gehegte Seifenblase! Kaputt. Zerplatzt. Verpufft.“

Nur zu gut weiß ich natürlich, dass ich heute eine meiner goldenen Regeln verletzt habe:

„Never EVER try to create serious business WITHOUT A F***ING SCRIPT!!!“

Aber jetzt einen Skript schreiben? Die Arbeit am Editor macht grad soviel Spaß, dass ich ehrlich gesagt gar keine echte Lust darauf habe jetzt an einer Textdatei herum zu meißeln. Ich entschließe mich daher erst mal die Map zu speichern und sie mir morgen noch einmal mit frischen Gemüt anzusehen. For the good or the worse... we will see!


Samstag, der 10.02.2018

An diesem Samstagmorgen ist der Elan ungebrochen und voller Ungeduld lade ich die Map im Editor. Wie gestern stelle ich fest, dass das Layout der Map grandios aussieht. Es passt einfach alles: Die gesamte Isometrie geht in allen verwendeten Terrain-Arten auf, garniert mit passenden Doodads.

„Erneut höre ich den Chant: You still got it!“

Okay. Jetzt aber bitte nicht übermütig werden! Wie oft war ich schon an genau solch einem Punkt. Für einen spontanen Versuch zwar gut, aber im Grunde... bin ich überhaupt nicht mehr zufrieden. Es muss... BESSER werden. Viel besser! Es muss... STRUKTURIERTER werden. Viel strukturierter! Ich muss... wissen, was ich da eigentlich genau tue. Obwohl ich fast den ganzen gestrigen Tag mit dem Editor getanzt habe wie in alten Zeiten...

...schließe ich wohlweislich den Editor und klicke auf „Datei löschen”. Ein überaus befreiendes Gefühl! Es fühlt sich fast an wie das Drücken einer Reset-Taste. Alles wieder auf Anfang! Neu geladen im Real Life sozusagen. Und nun?

„Ich starte Wordpad. Hehehe! Old-school, versteht sich.“

Jetzt... kann der Schaffensprozess erst mal richtig beginnen. Creation is fun! Fun is expandable! Ich habe natürlich noch absolut keine Ahnung, was ich in den nächsten Stunden oder Tagen in dieses Textdokument schreiben werde, aber eines weiß ich: den Editor starte ich erst wieder, wenn der Skript fertig ist. Es geht doch nichts über einen guten Lungenzug soliden Plan. (Copyright: Zitat Feuerfresser, StarCraft)

Später an diesem Tag beginne ich damit die ersten Gedanken im neuen Skript zu notieren. Es sind grobe Eckpunkte, die aufgelistet und immer wieder bearbeitet werden. Dabei kristallisiert sich schnell ein zunächst unscheinbar wirkendes Detail heraus. Was genau wollen wir eigentlich machen?

„Aha! Irgendwas sagt mir plötzlich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Sache nimmt unvermittelt Fahrt auf!“

Natürlich! Es geht ums Format! Ums Format allgemein! Das Kartenformat! Welches ist das Richtige? Es gibt genau zwei Dateitypen. Einmal die Endung .scm und die Endung .scx in StarEdit. Die Endung .scx sind Maps, die nur im Modus Brood War, dem Expansion Set von StarCraft gespielt werden können. Die Endung .scm hingegen sind Maps, die im Modus StarCraft oder im Modus Brood War gespielt werden können.

„Bingo! Das ist es! Das ist das erste entscheidende Detail! Wir feiern schließlich in diesen Tagen den Geburtstag von StarCraft, nicht Brood War, das erschien erst Ende 1998. In Deutschland kam die lokalisierte Fassung von Brood War sogar erst im April 1999 in den Handel, exakt ein Jahr nach StarCraft.“

Was also auch immer hier noch entstehen mag, das geplante Projekt wird aus reinen .scm Karten bestehen. Natürlich zu Ehren von StarCraft! Welches im April 1998 eintraf. Kometenartig! 😎

Genau diese Entscheidung ist der erste Stein, der am Fundament gesetzt wird. Und um die Phrasen weiter zu dreschen, der Stein kommt mit genau dieser Festlegung auch ganz unvermittelt ins Rollen.

Der Skript beginnt nämlich plötzlich rapide zu wachsen und fast schon automatisiert bemerke ich, dass ich mich plötzlich absolut auf dem richtigen Kurs befinde. Der Kurs, den ich gesucht hatte. Es fließt mir nur so aus den Fingern und immer wieder drücke ich Strg+S, um zwischendurch zu speichern. Nach einigen Stunden, es ist inzwischen Abend, wird mir plötzlich klar, dass ich bei dem Tempo vermutlich morgen schon mit der Arbeit am Editor beginnen kann. Denn der Skript steht so gut wie! Aus dem Fehlstart wurde ein Senkrechtstart. Der pure Wahnsinn!

Noch während ich immer weiter schreibe und die Ideen ein wahren Fackellauf veranstalten, so sehr geben sich die Einfälle die Klinke in die Hand, gehe ich im Geiste schon den weiteren Verlauf dieser ganzen Achterbahnfahrt durch. Sobald der Skript fertig ist, kann das Mapping beginnen. Das wird zwar heute nichts mehr, aber morgen kann der Startschuss dafür fallen. Schon jetzt freue ich mich auf den morgigen Sonntag wie ein Schnitzel.


Sonntag, der 11.02.2018

Sonntage sind eigentlich nicht dazu da, um Stress zu machen. Stress ist allgemein nicht gesund. Aber an dem heutigen Sonntag kann ich das Gefühl eines normalen Wochentags nicht ganz loswerden. Ein innerer Drang hat von mir Besitz ergriffen und ich würde mir wahrscheinlich den Stein sofort in die Stirn rammen, wenn ich einen roten Seelenstein in der Hand halten würde. So stark ist dieser Drang nämlich ausgeprägt.

„Das Gefäß für den Herrn des Schreckens zu sein ist aber kein erstrebenswertes Ziel, bei genauerer Überlegung. Ähem. 😅“

Leider rufen zum Sonntag aber die obligatorischen familiären Pflichten, die natürlich absoluten Vorrang haben. Somit muss besagter Drang erstmal kämpferisch unterdrückt werden und das übliche Geschehen zum Sonntag bestimmt den Tagesverlauf. Gegen Abend allerdings lichten sich die Obliegenheiten und die Tore zum Meer der Möglichkeiten beginnen sich zu öffnen.

Mir ist natürlich völlig klar, dass aus dem Start mit dem Editor heute nichts mehr wird. Aber ich kann ja wenigstens noch ein paar Anpassungen im Skript vornehmen. Oder anders gesagt: Ausbesserungen. Intern nenne ich diesen Prozess "glattbügeln". Im Grunde endet dieser Prozess nie. Ganz egal bei welchem Projekt...

Als ich nach etlichen Änderungen und Ergänzungen dann so langsam zum Ende komme, fehlt für den heutigen Tag nur noch eine letzte Sache, um im Skript den Deckel draufzumachen: Der Titel.

Titel können strahlend sein. Titel können vielsagend sein. Titel können reißerisch sein. Titel können doppeldeutig sein.

Ich entschließe mich diesmal klar für Letzteres. Eine direkte Idee habe ich auch schon sofort. Zum einen geht es hier schließlich um eine Jubiläumsangelegenheit und zum anderen wird dieses Projekt der Precursor Campaign von Blizzard Entertainment (Demokampagne von StarCraft) zumindest vom Schwierigkeitsgrad her sehr ähnlich sein.

Ich brauche also nicht lange, um mich zu entscheiden. Das Projekt wird den Titel Anniversary Campaign tragen. Und morgen beginnt dafür das Mapping! Ich kann es kaum erwarten.

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