Die Leere dazwischen

Inhalt

Die Erzählung beginnt in der Vergangenheit in Dalaran, wo die Hochelfen Umbric, Rommath und ihr exzentrischer Freund Dar’Khan Drathir als Magiestudenten eine unbeschwerte Zeit verbringen. Nach einer exzessiven Semesterfeier drängt sich Dar’Khan mit einem mysteriösen, codierten Folianten in Umbrics und Rommaths Zimmer, um ein arkanes Experiment durchzuführen. Beim gemeinsamen Weben des Zaubers erschafft Dar’Khan jedoch unvorsichtig ein instabiles Portal zur Leere, aus dem eine gefährliche Kreatur entweicht. Während Rommath und Dar’Khan das Monster unter Einsatz ihrer Magie verzweifelt in Schach halten, gelingt es Umbric durch seine intuitive Auffassungsgabe, das Portal umzustrukturieren und die Kreatur zu verbannen. Dabei berührt er erstmals die unendlichen, verlockenden Potenziale der Leere, verspricht dem tief erschrockenen und regeltreuen Rommath im Anschluss jedoch, künftig von Dar’Khans gefährlichen Forschungen die Finger weg zu lassen.

Gefährliche Forschungen in Dalaran: Die jungen Hochelfen-Magier Magister Umbric, Rommath und Dar’Khan Drathir experimentieren während ihrer Zeit bei den Kirin Tor mit den verbotenen Kräften der Leere.

Jahre später, nach der verheerenden Invasion der Geißel, dem damit verbundenen Verrat Dar’Khans und der Zerstörung des Sonnenbrunnens, findet sich Umbric in einem geschwächten, vom magischen Entzug gezeichneten Silbermond wieder. Getrieben von der Verzweiflung, sein Volk vor dem schleichenden Untergang zu retten, durchsucht er Dar’Khans verlassenes Labor und findet den alten Leeren-Folianten wieder. Er bricht sein einstiges Versprechen und erschafft eine stabile Leitung zur Leere, um deren grenzenlose Energie als neue Quelle für die Blutelfen nutzbar zu machen. Rommath, der aus der Scherbenwelt zurückkehrt und Kael’thas‘ Methode der magischen Aussaugung von Artefakten mitbringt, erwischt ihn dabei. Es kommt zu einem erbitterten Streit: Während Umbric die Leere als Werkzeug zur Rettung sieht, verdammt Rommath die Forschungen als Hochverrat und als den Pfad des Monsters, das ihre Heimat an die Geißel verkaufte. Er zwingt Umbric vorerst zum Einlenken.

Wiederum Jahre später, nachdem der Sonnenbrunnen durch das Herz eines Naaru gereinigt wurde, fliegt Umbrics heimliche Weiterforschung im Untergrund schließlich auf, als seine Schülerin Maella verhaftet wird. Vor dem versammelten Rat der Magister weigert sich Umbric standhaft, seine Studien zu vernichten, da er eine erneute einseitige Abhängigkeit des Volkes von nur einer unzuverlässigen Machtquelle verhindern will. Rommath, tief verletzt und unfähig, ein weiteres Risiko für Silbermond zu dulden, erwirkt bei Lor’themar Theron Umbrics Verbannung aus Quel’Thalas. Der finale Akt springt in die Gegenwart: Umbric, mittlerweile zum zerrissenen Ren’dorei (Leerenelfen) mutiert, kehrt mit seinen Risswanderern ins Windläuferdorf zurück. Er will Rommath vor einer herannahenden, alles verschlingenden Leeren-Bedrohung durch Xal’atath warnen. Rommath tritt ihm mit einer Übermacht an Blutrittern und Zauberbrechern entgegen, getrieben von nacktem Abscheu und tiefem Misstrauen gegenüber dem einstigen Freund, der nun selbst wie die personifizierte Bedrohung aussieht.

Rezension

Alex Acks gelingt mit „Die Leere dazwischen“ ein erzählerischer Volltreffer, der die psychologische Tiefe der Charaktere auf ein neues Niveau hebt. Besonders bemerkenswert ist die dreidimensionale Ausarbeitung des Konflikts zwischen Umbric und Rommath. Die Geschichte verzichtet dankenswerterweise auf ein klassisches Gut-Gegen-Böse-Schema. Stattdessen prallen hier zwei zutiefst traumatisierte, aber im Kern loyale Patrioten aufeinander. Rommaths starre Unnachgiebigkeit und sein Hass auf die Leere werden durch den doppelten Verrat von Dar’Khan und Kael’thas emotional vollkommen nachvollziehbar. Seine Härte ist keine Bosheit, sondern ein Schutzpanzer, um sein ohnehin dezimiertes Volk vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren.

Großmagister Rommath rückt an der Spitze von Blutrittern und Zauberbrechern im Dorf der Windläufer an, um den aus dem Exil heimlich zurückgekehrten Leerenelfen-Anführer Magister Umbric zur Rede zu stellen.

Umbric wiederum wird hervorragend als tragischer Intellektueller inszeniert, dessen größte Stärke – seine unstillbare akademische Neugier und die Suche nach alternativen Wegen – gleichzeitig sein Untergang im politischen Gefüge von Silbermond ist. Seine Motivation ist edel: Er will verhindern, dass die Elfen jemals wieder wie „verzweifelte Bestien in die Enge getrieben“ werden.

Der Text arbeitet hier geschickt mit einer unheimlichen inneren Monologführung. Die subtilen, manipulativen Einflüsterungen der Leere, die Umbric als seine eigenen, logischen Gedanken wahrnimmt (wie das kurze Aufblitzen des Impulses, seine Freunde zu töten, um nicht eingeschränkt zu werden), erzeugen eine fesselnde psychologische Spannung.

Stilistisch besticht die Kurzgeschichte durch eine dichte Atmosphäre und eine kluge narrative Struktur, die den moralischen Verfall und die physische Transformation der Elfen spiegelt. Der Kontrast zwischen den unbeschwerten, warmen Studientagen im hellen Dalaran und der düsteren, von Entzug und Trümmern geprägten Realität im zerstörten Silbermond ist emotional greifbar.

Die Dialoge zwischen Umbric und Rommath sind messerscharf und voller unterdrückter Trauer über den Verlust ihrer Bruderschaft. Einzige Kritikpunkte sind die sprunghaften Zeitperioden: Die Geschichte ist in mehrere Zeitabschnitte unterteilt und macht sich nicht die Mühe dies kenntlich zu machen. Es wird erwartet, dass der Leser den soeben vollzogenen Epochen-Wechsel selbst bemerkt. Hier hätte eine klare Kennzeichnung mit Bestimmtheit nicht geschadet. Zudem ist das etwas abrupte Ende im Windläuferdorf zu benennen: Das finale Aufeinandertreffen in der Gegenwart dient spürbar als erzählerische Rampe für das Add-on Midnight, lässt den Leser in diesem Moment jedoch zwangsläufig mit einer enormen atmosphärischen Spannung im Nacken abrupt im Regen stehen.

Fazit

„Die Leere dazwischen“ ist dennoch eine Pflichtlektüre für jeden WarCraft-Lore-Fan und ein glänzendes Beispiel dafür, wie Kurzgeschichten das emotionale Fundament für Spiele-Erweiterungen legen können. Alex Acks entwirrt das komplexe Beziehungsgeflecht der elfischen Magister mit beachtlicher psychologischer Finesse. Die Tragik liegt darin, dass beide Protagonisten auf ihre Weise recht haben und aus Liebe zu ihrem Volk handeln, aber durch ihre Traumata unaufhaltsam in die gegensätzlichen kosmischen Fraktionen von Licht und Schatten getrieben werden. Eine atmosphärisch dichte, charaktergetriebene Erzählung, die dem Leser noch lange nach dem Umblättern im Gedächtnis bleibt.


Die Leere dazwischen

  • Autor: Alex Acks
  • Illustration: Surfside 3D
  • Erscheinungsjahr: 2025

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