Aufstieg

Inhalt

Die Handlung setzt auf dem kargen, von Terrazingas geprägten Planeten Slayn ein, wo der ambitionierte Protoss Alarak, zu diesem Zeitpunkt Vierter Aspirant in der hierarchischen „Kette des Aufstiegs“ der Tal’darim, die spirituelle und physische Nähe des dunklen Gottes Amon sucht. Seine Kontemplation wird durch Ji’nara, die Fünfte Aspirantin, unterbrochen. Sie überbringt die Nachricht, dass der Erste Aspirant Nuroka den amtierenden Hochlord Ma’lash zum Rak’Shir herausgefordert hat – einem rituellen Duell auf Leben und Tod um die absolute Vorherrschaft innerhalb der Fraktion. Alarak, der ein tiefes Chaos und die Verzögerung von Amons apokalyptischen Plänen befürchtet, wird kurz darauf zu einer privaten Audienz in Nurokas Quartier zitiert.

In der darauffolgenden Konfrontation offenbart Nuroka eine fundamentale Erschütterung seines Glaubens: Er hat durch tiefen Terrazinkonsum in die Leere geblickt und erkannt, dass Amons Versprechen vom „Aufstieg“ eine zynische Lüge ist. Der dunkle Gott plant nicht die Erhebung, sondern die vollständige Auslöschung aller Zivilisationen, einschließlich der ihm treu ergebenen Tal’darim. Nuroka fordert Alarak unverblümt auf, ihm nach dem erfolgreichen Sturz des Hochlords dabei zu helfen, Amon selbst zu vernichten. Alarak reagiert äußerlich skeptisch und schützt seine Gedanken vor Entdeckung, erkennt jedoch die strategische Tragweite dieser existenziellen Krise an der Spitze der Hierarchie.

Unter den Tal’darim-Protoss stellt das Ritual des „Rak’Shir“ stets sicher, dass nur die Stärksten in ihren Rängen überleben. Kraft allein reicht jedoch nicht aus, um seine Widersacher endgültig zu besiegen.

Am nächsten Morgen versammeln sich die Tal’darim an den Gruben des Aufstiegs. Das Rak’Shir beginnt, und während die Bräuche verlangen, dass Unterstützer ihre Fraktion vorab deklarieren, bleibt Alarak zunächst demonstrativ am Rand sitzen. Die Zweite Aspirantin Guraj schließt sich Ma’lash an, während der Dritte Aspirant Zenish für Nuroka kämpft. Es entbrennt ein brutaler psionischer Schlagabtausch, in dessen Verlauf Zenish von Guraj getötet wird, was Nuroka in eine scheinbar aussichtslose Defensive drängt, da er nun der kombinierten Macht des Hochlords und Gurajs gegenübersteht.

In diesem kritischen Moment greift Alarak unerwartet in die Arena ein. Er nutzt die physische Erschöpfung Gurajs aus, tötet sie im Zweikampf und leiht Nuroka seine psionische Kraft, wodurch sich das Blatt wendet und Hochlord Ma’lash an den Rand des Abgrunds gedrängt wird. Kurz vor dem finalen Stoß bricht Alarak jedoch den vermeintlichen Pakt: Da er seine Gefolgschaft vorab nie verbal deklariert hatte, bricht er kein Gesetz, sondern lediglich die Tradition, als er mitten im Kampf die Seiten wechselt und seine Energie Ma’lash zur Verfügung stellt. Nuroka wird von der plötzlichen Übermacht überwältigt und stürzt in die bodenlose Grube, wodurch Ma’lash seine Herrschaft sichert und Alarak zum Ersten Aspiranten aufsteigt.

Rezension

Robert Brooks gelingt mit „Aufstieg“ ein psychologisch dichtes und atmosphärisch ungemein starkes Kammerspiel, das tief in die düstere, sozialdarwinistische Kultur der Tal’darim eintaucht. Die Geschichte fungiert nicht nur als exzellentes Bindeglied zur Erweiterung Legacy of the Void, sondern bricht auch gekonnt mit dem sonst oft monolithischen Bild der Protoss-Spezies. Statt der philosophischen Erhabenheit der bekannten Khalai-Templer wird der Leser hier mit einer von Brutalität, Paranoia und absolutem Machtstreben dominierten Gesellschaft konfrontiert, deren fundamentaler Codex – die Kette des Aufstiegs – faszinierend logisch dekonstruiert wird.

Der narrative Fokus liegt ganz auf Alaraks kognitiver Dissonanz und seiner taktischen Genialität. Brooks zeichnet Alarak nicht als klassischen Antagonisten, sondern als pragmatischen Überlebenskünstler, dessen größte Waffe nicht seine psionische Klinge, sondern seine emotionale Kälte und Manipulationsfähigkeit ist. Die Dynamik zwischen ihm und dem ketzerischen Nuroka erzeugt eine unterschwellige Spannung, die den philosophischen Kern von StarCraft berührt: das Spannungsfeld zwischen blindem religiösem Dogmatismus und dem erschreckenden Erwachen angesichts einer nihilistischen Wahrheit.

Stilistisch überzeugt die Kurzgeschichte durch eine präzise Wortwahl und eine geschickte Rhythmisierung. Die Beschreibungen von Slayn, dem wabernden Terrazingas und der schieren Physis der Protoss-Krieger erzeugen eine visuelle Opulenz, die das Kopfkino des Lesers mühelos anregt. Besonders die textuelle Ausgestaltung des Rak’Shir-Rituals transportiert die archaische und zugleich hochentwickelte Natur dieser Kultur auf eindrucksvolle Weise; die psionischen Entladungen werden fast körperlich spürbar gemacht.

Ein kleinerer Kritikpunkt lässt sich lediglich in der Vorhersehbarkeit von Alaraks finalem Verrat finden, sofern man mit der späteren Spielhandlung vertraut ist. Dennoch schmälert dieses Vorwissen den Lesegenuss kaum, da der Weg zu diesem Verrat – das Ausnutzen von juristischen Grauzonen im heiligen Codex – eine intellektuelle Freude ist. Brooks beweist hier ein tiefes Verständnis für seine Charaktere und verwehrt dem Leser ein einfaches moralisches Schwarz-Weiß-Schema, was der Geschichte eine unerwartete literarische Reife verleiht.

Fazit

„Aufstieg“ ist eine herausragende Kurzgeschichte für StarCraft. Durch die geschickte Verwebung von politischer Intrige, theologischer Krise und kompromissloser Action bietet das Werk sowohl profunden Kennern der Storyline von StarCraft als auch Liebhabern düsterer Space-Operas einen echten Mehrwert. Robert Brooks liefert hier das psychologische Fundament für einen der faszinierendsten Charaktere des Blizzard-Universums, nämlich Alarak, und zeigt eindrucksvoll, dass der steilste Aufstieg oft durch die tiefsten moralischen Abgründe führt.


Aufstieg

  • Autor: Robert Brooks
  • Artwork: Sons of the Storm
  • Erscheinungsjahr: 2015

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