
Inhalt
Die Geschichte erzählt von der Ankunft des Propheten Akarat in der Region Nahantu. Das Land wird von einer mysteriösen Verderbnis namens „Dämonensaat“ geplagt, die Pflanzen verrotten lässt und Tiere in den Wahnsinn treibt. Akarat reist nicht als strahlender Eroberer, sondern als bescheidener Suchender, begleitet von seinen Getreuen: Ysevete, Adavin, Istabela und Guilla.

In Nahantu schließt sich ihnen der Krieger und Heiler Tusega an, nachdem sie ihm geholfen haben, das Schicksal seines Bruders zu klären. Später stößt die junge Jualin dazu. Gemeinsam bekämpfen sie die „Samen des Hasses“. Während dieser Zeit entdeckt Akarat die Geisterwelt, eine Paralleldimension zu Sanktuario, und lernt von den dortigen Wächtergeistern wie Ah Bulan.
Akarat erkennt schließlich, dass hinter der Verderbnis ein mächtiger Gegner steckt: der Wolf (eine Manifestation Mephistos). In einem finalen Opfergang stellt sich Akarat dem Dämon in einer Höhle. Er lässt sich absichtlich beißen, um den Wolf zu umarmen und das gesamte Licht seines Geistes in ihn zu entladen.
Der Wolf flieht schwer gezeichnet, doch Akarat stirbt an den Folgen des Kampfes. Seine Getreuen betten seinen Körper im Gewölbe des Lichts in der Geisterwelt zur letzten Ruhe, um ihn vor Verfall und Korruption zu schützen.
Rezension
Matthew J. Kirby gelingt es nur stockend, die eher philosophische Seite des Diablo-Universums einzufangen. Das Konzept an sich mag eine Abwechslung sein, aber zuweilen liest sich das Werk wie eine Ansammlung von Plattitüden in Momenten großer Ratlosigkeit von stumpfen Nebencharakteren. Dennoch müht sich die Erzählung wie eine religiöse Überlieferung oder eine Legende zu wirken, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Eine der wenigen Stärken der Geschichte ist die versuchte Charakterzeichnung beim Hauptdarsteller: Akarat wird nicht als unfehlbarer Gott dargestellt, sondern als jemand, der barfuß durch den Schlamm geht und betont, dass das Licht in jedem Menschen selbst liegt, nicht in Institutionen. Die Nebencharaktere (außer Ysevete und Tusega) bleiben blass und dienen primär als Stichwortgeber für Akarats überbordend zum Besten gegebenen Weisheiten.

Die Atmosphäre, wie die bedrückende, feindselige Stimmung des Dschungels von Nahantu, wird durch Beschreibungen von Miasmen, korrumpierten Tieren und dem allgegenwärtigen Hass greifbar. Allerdings hat Autor Matthew J. Kirby eine merkwürdige Struktur gewählt, welche unvermeidlich auch der Atmosphäre die Hände um den Hals legt. Denn während er mühselig das Abenteuer von Akarat zu erzählen versucht, bricht er von einen auf den anderen Satz plötzlich ab und speist den Leser mit einfallslosen Worten ab, dass dieser Teil der Geschichte „ein anderes Mal“ erzählt werden soll.
Da wirkt es fast wie ein schwacher Trost, der jedoch mit der Lupe gesucht werden muss, dass die Entdeckung der Geisterwelt und die Ursprünge des Geistgeborenen (die neue Klasse im Expansion Set „Vessel of Hatred“) als beiläufiger Hintergrund erwähnt werden. Ein wirklicher Gewinn für das Gesamtpaket sind diese Fakten jedoch nicht.
Fazit
Folglich ist „Als Akarat nach Nahantu kam“ eine eher schwerfällige, zuweilen eintönige Geschichte. Sie gibt zwar dem Begriff des „Lichts“ in Diablo eine tiefere, fast schon buddhistisch angehauchte Note und erklärt schlüssig die spirituelle Verbindung der Bewohner Nahantus zur Geisterwelt, aber das Erzählen von Kurzgeschichten geht viel besser. Das Ende ist bittersüß: Akarats physischer Tod markiert die Geburtsstunde einer Hoffnung, die jedoch durch die mahnenden Worte der Erzählers – dass Worte und Schriften die Wahrheit oft verfälschen – einen düsteren Schatten erhält.
Als Akarat nach Nahantu kam

- Autor: Matthew J. Kirby
- Artwork: Richard Anderson
- Erscheinungsjahr: 2024