Das Heilige Land – Teil 2

Inhalt

Der zweite Teil öffnet mit einem Blick auf die gegnerische Fraktion: Eine Basis der gnadenlosen Tal’darim-Protoss auf Bel’shir. Ein Aspirant berichtet zähneknirschend, dass zwei terranische Rettungsschiffe entkommen sind und vermutlich Verstärkung holen werden. Da der Hochlord Alarak Verträge geschlossen hat, die einen direkten Krieg gegen die Terraner verbieten, beschließen die gnadenlosen Tal’darim gemäß ihrer brutalen Natur, bis zum nächsten Sonnenuntergang alle Ressourcen abzubauen und den Außenposten danach restlos zu bombardieren, um sämtliche Beweise ihrer Präsenz zu vernichten.

Aus der menschlichen Version von Egon Stetmann wurde der durch Terrazin entstellte Stetmann, dessen brillanter Geist die Mecha-Zerg erschuf. Zudem scheint Stetmann durch telepathische Fähigkeiten mit einem geheimnisvollen Bewusstsein zu interagieren, das sich auf Bel’Shir verbirgt.

Derweil befindet sich das gestrandete Rettungsteam in Stetmanns Höhle in akuter Lebensgefahr. Der völlig paranoide Wissenschaftler liest mithilfe seiner durch das Terrazin-Gas verstärkten psionischen Fähigkeiten die Gedanken der Soldaten. Er wechselt im Sekundentakt zwischen mörderischen Drohungen und skurriler Zuneigung, während er seine gefährlichen Mecha-Zerg-Kreaturen präsentiert. Die Situation entspannt sich leicht, als er aus seiner Vergangenheit berichtet: Er wurde einst allein zurückgelassen und atmete über ein Jahr lang die „Erleuchtung“ des Terrazins ein, was ihn völlig in den Wahnsinn trieb und dazu brachte, sein altes Labor niederzureißen, um aus den Trümmern seine mechanische Zerg-„Gemeinschaft“ zu erschaffen.

Als das Team durch seine Gedankenleserei erfährt, dass Stetmann seit vier Monaten isoliert ist und gar nichts vom verheerenden Krieg gegen den gefallenen Xel’naga Amon weiß, reagieren sie gezwungenermaßen diplomatisch. Der Ghost-Agent schmeichelt seinem Genie und überzeugt ihn geschickt davon, dass sie nicht als Feinde gekommen sind, sondern um ihm im Kampf gegen die Tal’darim zu helfen, welche die Herrlichkeit Bel’shirs stehlen wollen. Begeistert bläst Stetmann das Todesurteil ab und befiehlt seinem Roboter Gary, das terranische Schiff zu reparieren. Bevor es jedoch in die Schlacht geht, verlangt er einen ultimativen Treuebeweis: Die Soldaten müssen ebenfalls von dem bewusstseinsverändernden Terrazin-Gas kosten.

Rezension

„Das Heilige Land – Teil 2“ führt die im ersten Band etablierte Geschichte konsequent und mit einem deutlich höheren Fokus auf Charaktertiefe und Humor fort. Autor Robert Brooks gelingt es meisterhaft, Egon Stetmanns Wahnsinn gleichermaßen bedrohlich wie komisch darzustellen. Die Szenen, in denen er seine Mecha-Zerg wie Haustiere vorstellt („Dieser hier entkernt deine Wirbelsäule! Und dieser hier ist einfach hinreißend!“), brechen die düstere StarCraft-Atmosphäre auf eine sehr erfrischende, exzentrische Weise auf. Carlos Rodríguez fängt diese emotionalen Achterbahnfahrten durch pointierte Mimik wunderbar ein.

In einer Rückblende erzählt Stetmann vom abenteuerlichen Verlauf seiner Odyssee, die ihn zu einer Art „Robinson Crusoe“ werden ließ. Nur dass dieser vergessene Einsiedler sich einen künstlichen Zerg-Schwarm konstruierte, der zusammen mit seinem Superbot Gary fast unaufhaltsam ist.

Aus Sicht der StarCraft-Lore liefert dieser Teil fundamentale Puzzleteile für Stetmanns Wandlung. Durch die Rückblenden erfahren wir genau, wie die Einsamkeit und der exzessive Terrazin-Konsum sein Gehirn permanent verändert haben. Besonders clever ist der erzählerische Kniff, dass Stetmann den galaktischen Krieg gegen Amon komplett verpasst hat und glaubt, seine alten Freunde hätten ihn einfach im Stich gelassen. Zudem beleuchtet der Comic die politische Lage der Post-Amon-Ära: Die Tal’darim müssen sich (wenn auch widerwillig) an die diplomatischen Verträge ihres Hochlords Alarak halten und operieren im Geheimen, um keinen neuen interstellaren Krieg mit den Terranern zu riskieren.

Für Spieler der Co-op-Map „Im Dienste der Wissenschaft“ (engl. „Mist Opportunities“) wird das Fundament hier nochmals massiv vertieft. Wir sehen nicht nur die Geburtsstunde von Stetmanns obsessiver Bindung an das Terrazin-Gas, sondern erleben auch den Roboter Gary in seiner vollen Pracht als treuen, mechanischen Chef-Konstrukteur, der im Spiel später als Stetmanns ultimative Helden-Einheit auf dem Schlachtfeld agiert. Das Ende des Comics schlägt die perfekte Brücke zur Gameplay-Mechanik, da das Sammeln und Konsumieren des Gases zur absoluten Bedingung für das Überleben der Protagonisten auf Bel’shir wird.

Fazit

Der zweite Teil von „Das Heilige Land“ ist ein absolutes Highlight für Lore-Enthusiasten. Er schafft perfekt den Spagat zwischen den politischen Nachwehen des großen galaktischen Krieges und der völlig abgedrehten, persönlichen Tragikomödie eines isolierten Wissenschaftlers. Mit tollen Zeichnungen, pointierten Dialogen und einem fiesen Cliffhanger bleibt die Reihe auch im zweiten Teil eine der charmantesten Erweiterungen des StarCraft-Universums.


Das Heilige Land – Teil 2

  • Autor: Robert Brooks
  • Grafik: Carlos Rodríguez
  • Übersetzung: Altagram GmbH
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Kategorie: Webcomic

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