Das Heilige Land – Teil 1

Inhalt

Der Comic beginnt mit dem Eintreffen einer terranischen Schwadron auf dem üppigen Dschungelplaneten Bel’Shir. Die Besatzung befindet sich auf einer Such- und Rettungsmission für den seit 18 Monaten vermissten Wissenschaftler Egon Stetmann. Stetmann genoss aufgrund seiner früheren Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Jim Raynor und Arcturus Mengsk eine Sonderbehandlung, weshalb trotz der langen Funkstille ein Team ausgesandt wurde. Doch noch vor der geplanten Landung wird die Rettungstruppe im Orbit von feindlichen Protoss-Jägern der unbarmherzigen Tal’darim-Fraktion abgefangen und schwer getroffen.

Gary, der Super-Bot, ist ohne Zweifel das Meisterwerk von Egon Stetmann. Gary verfügt über eine eigene Persönlichkeit, kann Entscheidungen treffen, in den Kampf ziehen oder sorgt für Wiederverwertung. Seine Emotionslage wird stets durch den aufgemalten Smiley ausgedrückt.

Dem dreiköpfigen Kernteam – bestehend aus der Pilotin Captain Niemi, ihrem Copiloten Fähnrich Wallace und einem psionisch begabten Ghost – gelingt nach einem Volltreffer an der Steuerbord-Seite des Medivacs eine kontrollierte Bruchlandung auf der Planetenoberfläche nahe eines verlassenen terranischen Außenpostens. Als sie Stetmanns zerstörtes und komplett zerlegtes Forschungslabor erreichen, bricht Panik aus: Das Team wird plötzlich von den gefürchteten Stacheln von Zerg-Schleichern umzingelt. Seltsamerweise kann der Ghost-Agent jedoch keinerlei psionische Signaturen der Zerg wahrnehmen, was auf eine Anomalie hindeutet.

Die Situation klärt sich auf, als eine schwer bewaffnete, schwebende Robotereinheit namens „Gary“ auftaucht und die Eindringlinge stellt. Sie stellen fest, dass die lauernden Zerg-Kreaturen in Wahrheit leblose, mechanisierte Konstrukte sind. Gary führt die gefangenen Terraner in eine verborgene Höhle. Dort treffen sie auf den sichtlich gezeichneten, bärtigen Egon Stetmann, der inmitten seiner Mecha-Zerg auf einem Thron sitzt. Im Zustand des geistigen Wahnsinns beschuldigt er die Neuankömmlinge, sein „Heiliges Land“ entweiht zu haben, und stellt sie vor ein Tribunal.

Rezension

„Das Heilige Land – Teil 1“ fängt die düstere, aber auch skurrile Atmosphäre des erweiterten StarCraft-Universums hervorragend ein. Die visuelle Gestaltung von Carlos Rodríguez und die lebendige Farbgebung von Andrew Dalhouse harmonieren perfekt, um den Kontrast zwischen dem organischen Dschungel von Bel’Shir und den bedrohlichen Mecha-Konstrukten darzustellen. Die Erzählung von Robert Brooks baut geschickt Spannung auf, indem sie den Leser zunächst in ein klassisches militärisches Rettungsszenario wirft, das sich schnell in ein psychologisches Mysterium verwandelt.

Neben Super-Bot Gary hat Stetmann in seiner Isolation „mal eben schnell“ einen komplett mechanisierten Zerg-Schwarm geschaffen. Das Ausmaß seines Genies ist somit kaum noch messbar.

Lore-technisch lässt sich dieser Comic präzise im Gefüge von StarCraft II einordnen. Die Handlung spielt in der Zeit nach den Ereignissen von Legacy of the Void und spiegelt den Übergang zu den Post-Kriegs-Konflikten im Koprulu-Sektor wider. Der Zustand von Egon Stetmann liefert hierbei das Bindeglied zu seinem Schicksal auf Bel’Shir: Nach dem Ausbruch des Krieges wurde er auf dem Planeten vergessen und verfiel durch den exzessiven Einfluss von Terrazin-Gas dem Wahnsinn. Stetmann begann, die Tierwelt des Planeten zu studieren und erschuf aus den Überresten seiner Ausrüstung und lokalen Ressourcen die sogenannten „Mecha-Zerg“, die er als seine neue Familie ansieht.

Besonders spannend für Spieler ist die direkte Verknüpfung des Comics mit dem Co-op-Modus von StarCraft II. Die hier erzählte Geschichte liefert die offizielle Hintergrundgeschichte zur beliebten Co-op-Mission „Im Dienste der Wissenschaft“ (Mist Opportunities). In dieser Map verteidigen die Spieler Stetmanns fliegende Terrazin-Sammelroboter (die „Stetmaniacs“) vor Angreifern. Der Comic zeigt uns die Geburtsstunde dieses verrückten Commander-Charakters und erklärt, warum seine mechanischen Zerg-Schöpfungen so agieren, wie sie es im Spiel tun.

Fazit

„Das Heilige Land – Teil 1“ ist eine exzellente Ergänzung zur Lore von StarCraft II. Es füllt die erzählerische Lücke um das Schicksal eines beliebten Nebencharakters auf unterhaltsame Weise. Für Fans des Co-op-Modus bietet das Werk einen wunderbaren Aha-Effekt und verleiht der Ingame-Map „Im Dienste der Wissenschaft“ in StarCraft II eine tiefere narrative Ebene. Dank starker Zeichnungen und einer spannenden, leicht verrückten Prämisse macht dieser Auftakt definitiv Lust auf die Fortsetzung.


Das Heilige Land – TEil 1

  • Autor: Robert Brooks
  • Grafik: Carlos Rodríguez
  • Übersetzung: Altagram GmbH
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Kategorie: Webcomic

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert