…namens „Schrecken der Gezeiten“. Der Name der Wächterkampagne von The Frozen Throne passt wie die Faust aufs Auge für ein hartnäckiges Problem, das schon seit Jahrzehnten äußerst verstohlen und verbissen an WarCraft III nagt. Vielleicht besteht nun nach all den Jahren etwas Hoffnung diesen elenden Bug zu eliminieren.
Seine Exzellenz, König WarCraft, der III.
Zu Beginn ein Blick zurück: Das mit Spannung erwartete WarCraft III: Reign of Chaos erschien 2002. Ein Jahr später folgte eines der besten Expansion Sets aller Zeiten: The Frozen Throne. Im Verlauf der anschließenden Jahre galt WarCraft III als Meilenstein und als einer der besten RTS-Titel weltweit.
Umso desaströser war die Ankunft von WarCraft III: Reforged im Jänner 2020. Die Besudelung des Königshauses war ein Sakrileg sondergleichen. Doch im Jahre 2025 gibt es gute Nachrichten. Wer es noch immer nicht bemerkt haben sollte: WarCraft III: Reforged hat die Kurve gekriegt. Wäre das Spiel im Januar 2020 so gewesen, wie es jetzt ist, wäre der Release ganz anders verlaufen.
Reforged bietet inzwischen alles, was von einer Remastered-Version zu erwarten ist. Die Grafik, der Sound, das Setting, die Menüs – alles wurde von Blizzard Entertainment im Verlauf der letzten zwei Jahre angepasst. Endlich ist es möglich selbst zu entscheiden, wie das Spiel aussehen soll.
Des Königs neue Kleider
Das Spiel soll eine erfrischende neue Umgebung bieten? Die Grafiken brauchen einen neuen Anstrich, der Sound soll höherwertiger klingen?! Kein Problem. Mit wenigen Klicks erstrahlt Reforged in neuen Gewändern.
Oder soll es eher oldschool bleiben, mit den bekannten Menüs und Grafiken und Sounds? Überhaupt gar kein Problem! Flugs ein paar Buttons im Menü gedrückt und schon ist Reforged ein echtes The Frozen Throne in gestochen scharfer Grafik.
Zugegeben, das war ein langer Weg, bis die Remastered-Version von WarCraft III es endlich gepackt hat das zu liefern, was der Logik nach eine digitale Restaurierung mit sich bringen sollte. Aber fairerweise muss ebenfalls beachtet werden, dass die Jahre 2020-2023 alles andere als einfach waren, gemessen an der weltweiten Gesundheitssituation und den beruflichen Folgen.
Es war äußerst schwer in der Zeit von Covid-19 vernünftig zu arbeiten. Die Betreuung von WarCraft III: Reforged litt ganz besonders darunter. Der Support lag in den ersten drei Jahren praktisch brach. Nur langsam wurde damit begonnen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Features wie die Funktion der „Eigenen Kampagnen“ wurden erst nach und nach wieder hinzugefügt.
Aber auch nach Covid-19 meinten es die Götter im Gaming-Olymp nicht gut mit der blauen Schmiede im Reich der Sterblichen. Die überfällige Aufdeckung des unverzeihbaren Sexismus-Skandals, der Abgang der letzten Entwickler der ersten Stunde, sowie die Übernahme durch Microsoft erschütterten das Fundament erneut in seinen Grundfesten, was an dem stockenden Support von WarCraft III: Reforged deutlich zu merken war.
Aus der Asche eines Königreichs
Dennoch gab Blizzard nicht auf. Hinter verschlossenen Türen hatte sich tatsächlich etwas getan. Patch 2.0 von WarCraft III: Reforged erschien im November 2024. Mit einem Schlag waren all die Features plötzlich verfügbar, die im Grunde genommen 4 Jahre zuvor im Spiel hätten sein müssen.
Mit 2.0 begann sich Reforged die Spuren der Schande von der Kleidung zu klopfen. Anpassbarkeit auf allen Ebenen, dringend benötigte Verbesserungen, die Remastered-Version war endlich remastered. Was eher streitbar blieb, war der zweifelhafte Versuch die umstrittene neue Grafik zu verbessern. Doch immerhin! Das Spiel hatte einen neuen Anstrich erhalten.
Auch die Jahre vor der Ankunft von WarCraft III: Reforged waren eher von holpriger Natur. Geschlagene 8 Jahre lang hatte Blizzard seinen RTS-Primus unangetastet gelassen, bis 2016 ein erster neuer Patch erschien. Es folgten weitere Patches, doch die Auswirkungen waren seltsam. Bugs tauchten auf, die vorher nicht da waren. In der Summe war es eine zweifelhafte Gartenpflege, wobei die Flora und Fauna ja eigentlich perfekt war.
Wer wandelt da im Schatten, sprich! Ein böser Bug? Schnell, schleiche dich! Du willst nicht weichen? Oh, wehe dir! Lass uns in Ruh, geh fort von hier…
Und beinahe unbemerkt hatte sich irgendwann ein ziemlich verborgener Bug in die Architektur von WarCraft III eingeschlichen, der bislang kaum als solcher identifiziert worden ist. Es ist auch schwer zu sagen, wann dieser Bug aufgetaucht ist. Gut möglich, dass es nach dem ersten Patch seit 8 Jahren (2016) geschehen ist.
Doch um was geht es hier genau? Betroffen sind die „Eigenen Kampagnen“, das Problem ist sehr vertrackt. Erstellt man eine Kampagne im Container des Welt-Editors, legt man den Namen der Kampagnendatei fest. Diese Funktion ist allerdings sehr wacklig. Offenbar kollidieren Strings und Syntax-Formen miteinander, die folgende Problematiken verursachen können.
Es kann zum sofortigen Absturz kommen beim Versuch das Spiel zu speichern (beim Klick auf „Spiel speichern“ oder durch Drücken der F6-Taste für „Schnellspeichern“), wenn…
- …der Kampagnendatei-Name mit Sonderzeichen oder Zahlen versehen wurde.
- …der Kampagnendatei-Name händisch in Windows umbenannt wird.
- …der Kampagnendatei-Name zu lang ist.
- …die Presets im Kampagnen-Editor verwendet worden sind.
Sehr verwirrend ist es zudem, dass nicht immer dieser immense Fehler auftritt. Bei manchen Kampagnen funktioniert die Namensgebung und somit die Speicherfunktion fehlerfrei. Bei anderen Kampagnen leider nicht. Eine genaue Ursache ist nicht mal zu 100% auszumachen.
Ihr sprecht mit dem König – auf die Knie!
Nach langen Testphasen scheinen wir nun vielleicht eine Spur gefunden zu haben. Der Community Manager Kaivax aus dem US-Forum des Battle.net hat das Problem aufgenommen und an die Devs weitergeleitet. Ob diese jedoch die Ursache ausmachen und beheben können, bleibt weiterhin abzuwarten.
Bis dahin müssen sich alle Kampagnenprojekte, die von diesem Problem betroffen sind, weiterhin gedulden. Das mehrteilige Projekt „Heroes“ ist betroffen, die 4 Hauptkampagnen leiden an dieser Plage. Zumindest bis eine Möglichkeit gefunden wurde, dieses Ärgernis aus der Welt zu schaffen.
Demnächst erfolgt eine Aktualisierung aller 4 betroffenen Kampagnen-Container. Vielleicht ist es möglich dem Problem auf lokaler Ebene wenigstens etwas Herr zu werden. Zumindest fürs Erste.
Derweil sind alle WarCraft-Jünger und -Jüngerinnen eingeladen ihre Erlebnisse mit dem Speicherproblem im Battle.net-Forum (US) kundzutun. Nur so kann dieser schwerwiegende Bug von Blizzard Entertainment eliminiert werden.